Musik

 

Grundlagen- und Schwerpunktfach im musischen Profil

Für die musikalisch besonders begabten Schülerinnen und Schüler einer K+S Klasse ergibt sich aufgrund des Schulprogramms folgende Besonderheit:
Der Unterricht und die Ausbildung in Musik findet in enger Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Winterthur Zürich (MWZ) statt. Neben der Maturitätsausbildung absolvieren die Schülerinnen und Schüler den Vorkurs und das Grundstudium an der MWZ, so dass sie nach der Maturität mit einem Hauptstudium beginnen können.
Die Bildungsinhalte sind deshalb unter den beiden Gesichtspunkten zu sehen: einerseits den Anforderungen eines Schwerpunkfaches Musik an einem Gymnasi-um gerecht werden, andererseits die Inhalte des Vorkurses und des Grundstudi-ums an der MWZ vermitteln, um den künftigen Musikstudenten und Musikstuden-tinnen und Berufsmusikern und Berufsmusikerinnen günstige Voraussetzungen zu schaffen für ein erfolgreiches Studium und eine allfällige Berufskarriere.

Der vorliegende Lehrplan für Musik bezieht sich primär auf den Bereich Grundlagen- und Schwerpunktfach, dessen Inhalte mehrheitlich am Gymnasium vermittelt werden. Die nachfolgende Tabelle der HMT gibt Auskunft darüber, an welcher der beiden Institution ein bestimmter Inhalt vermittelt wird.

1. Bildungsziele

Die Schülerinnen und Schüler erfahren und erleben Musik ganzheitlich als ein kulturelles Phänomen. Wichtig sind dabei die sich ergänzenden und durchdringenden Bereiche Rezeption, Interpretation, eigenschöpferisches Tun und Reflexion.

Der Musikunterricht hilft den Schülerinnen und Schülern, sich mit Musik in ihren geschichtlichen und eigengesetzlichen Zusammenhängen auseinanderzusetzten und sich in der wachsenden Vielfalt der Ausdrucksformen zurechtzufinden.

Die Begegnung mit Musik verschiedenster Art und die Auseinandersetzung mit der eigenen Musikwelt (der individuellen Musikbiographie) soll zu bewussterem Hören und Musizieren führen. Die persönliche Urteilsfähigkeit, die Offenheit und das Interesse für Tradition und Wandel in der Musikwelt werden dadurch gefördert.

Durch exemplarisches Lernen gewinnen Schülerinnen und Schüler sowohl Ueberblick wie auch Vertiefung.
Voraussetzung dafür sind die Entwicklung und Differenzierung des akustischen Wahrnehmungsvermögens und die Sensibilisierung für die akustische Umwelt. Wichtig ist auch die Erfahrung der Elemente anderer Ausdrucksformen (Bewegung, Tastsinn, Sprache, visuelle Bereiche). Dazu gehören auch Einblick und elementare Anwendungen in die zeitgemässen musikelektronischen Technologien und ihre Weiterentwicklungen.

Eine besondere Bedeutung kommt der Pflege der Stimme als persönlichem Ausdrucksmittel zu. Schülerinnen und Schüler sollen fähig werden, musikalische Sachverhalte zu benennen, Musik zu interpretieren und eigene Vorstellungen umzusetzen (Interpretation, Improvisation, spontane Komposition, Komposition).

Der Unterricht basiert sowohl auf schriftlicher Tradierung wie auch auf mündlichen Ueberlieferungstechniken (orale culture), so dass die Schülerinnen und Schüler in der Lage sind, beide Bereiche zueinander in Beziehung zu setzen.

In der Musikpraxis verbinden sich die musikalischen Aspekte mit sozialem Tun. Ausgehend vom Einzelunterricht auf dem Hauptfachinstrument erfahren die Schülerinnen und Schüler in den verschiedenen Instrumental und Chorensembles zugleich gesellschaftliche Vorgänge: Etwas zum Ganzen beitragen, vom Ganzen getragen werden; gemeinsam auf etwas hinarbeiten, um an die (Schul)öffentlichkeit zu treten, Auftrittserfahrungen auch am MNG sammeln.

Der Musikunterricht im Grundlagen- und Schwerpunktfach trägt bei zur ästhetischen Bildung im Geiste einer Ästhetik des Lernens.

2. Richtziele

Grundkenntnisse

Schülerinnen und Schüler

- verfügen über ein musikalisches Begriffsvokabular einschliesslich Begriffe zu Tonerzeugung und Musikelektronik
- kennen verschiedene Formen des Festhaltens von Musik, darunter die konventionelle Notation, musikelektronische Verfahren und improvisatorische Techniken
- erhalten exemplarische Höreindrücke der Musik der abendländischen Tradition, des Jazz, der Rock- und Ethnomusik und wichtiger Verbindungen dieser Bereiche, verbunden mit Orientierungshilfen
- werden über Vielfalt und Problematik des aktuellen Musiklebens informiert und finden sich darin zurecht

Grundfertigkeiten

Schülerinnen und Schüler

- erfahren ihre Stimme als körpereigenes Instrument und als persönliches Kommunikations- und Ausdrucksmittel
- verfügen über ein Liedrepertoire aus verschiedenen Kulturbereichen und Stilarten und können ihre Lieder und Songs in einen soziokulturellen Zusammenhang stellen
- sind in der Lage, ihre instrumentalen und vokalen Fähigkeiten in der Ensemblearbeit einzubringen
- können aktiv und differenziert Musik hören, sind sich verschiedener Hörebenen bewusst und in der Lage, ihre Wahrnehmungen zu artikulieren
- besitzen Möglichkeiten, Musik mit Wort, Bewegung, Bild u.a. zu verbinden
- haben Einblick in musikalische Gestaltungsprinzipien und Ausdrucksformen

Grundhaltungen

Schülerinnen und Schüler

- sind bereit, sich mit unbekannter Musik auseinanderzusetzen und bekannter Musik neu zu begegnen
- haben eine Basis zur musikalischen Urteilsfähigkeit erworben
- haben Vertrauen in ihre vokalen und instrumentalen Fähigkeiten gewonnen und nehmen ihre eigenschöpferischen Kräfte ernst
- zeigen Interesse und Engagement am (öffentlichen) Musikleben.

3. Grobziele

Die eigentlichen Zielvorstellungen sind unter den Bildungs- und Richtzielen aufgeführt. Die Grobziele ergänzen die gemäss Stundentafel auf der Seite 62 aufgelisteten Lerninhalte.

Der Musikunterricht basiert einerseits auf einem sorgfältig aufeinander abgestimmten Lehrplan der beiden Ausbildungsstätten beinhaltend Bildungs-, Richt- und Grobziele und den Bestimmungen für die Zulassungsprüfungen und den Abschluss des Grundstudiums an der Musikhochschule.
Andererseits beruht der Lehrplan auf einer altersgemässen Methodik und Didaktik, welche den Jugendlichen möglichst optimale Lernbedingungen bieten soll.

1. und 2. Semester: Grundlagenfach

Im Grundlagenfach wird die Basis für die zeitgemässen Anforderungen an eine Musikmaturandin / einen Musikmaturanden erworben. Zugleich orientiert sich der Unterricht stofflich an den Vorgaben, welche von der MWZ für den Abschluss des Theorievorkurses (welcher am MNG stattfindet) und der Eignungsprüfung gestellt werden.

3. - 8. Semester: Schwerpunktfach

3. Semester

Dieses Semester zählt besonders für die Schwerpunktfachnote. Die Pflichtstundenzahl am MNG beträgt 7 Wochenstunden. In diesem Semester werden die Musikmaturandinnen und –maturanden (in der Regel) die Eignungsprüfung zur Aufnahme in die MWZ machen.
Der vielseitig angelegte Aufbau wird im Rahmen des Schwerpunktfachs vertieft, sodass den Schülern und Schülerinnen das Herangehen an anspruchsvollere Fragen und Aufgaben ermöglicht wird (Vernetzung der verschiedenen Bereiche, Stilistik).

4.Semester

Im 4. Semester beginnt das Fach Musikgeschichte. Es schliesst im 8. Semester mit einer Prüfung ab, welche sowohl für das SF MUSIK am MNG wie auch als Note an der MWZ gezählt wird. Stofflich orientiert sich das Fach an den Anforderungen der MWZ. Das didaktische Vorgehen berücksichtigt die Alterstufe unserer Schülerinnen und Schüler. Es steht unter dem Leitgedanken, den Schülerinnen und Schülern ein möglichst exemplarisches und vernetzbares Wissen zu vermitteln und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie sich ein gewünschtes Detailwissen aneignen können.

Für die Mitwirkung in einem Ensemble ist das Hauptinstrument natürlich von besonderer Bedeutung. Berücksichtigt werden kann aber auch die beginnende Ausbildung in einem zweiten Segment (stilistisch oder instrumental/sängerisch). Die Ausbildung und das Tätigkeitsfeld der kommenden MusikerInnengenerationen werden wesentlich vielseitiger aussehen als heute. Das SF MUSIK am MNG und die neuen durchlässigen Studiengänge an der MWZ sind darauf ausgerichtet.

Das Fach Gehörbildung/Solfège hält sich an die Anforderungen der MWZ, bringt aber auch hier altersgemässe didaktische Vorgehensweisen ein (insbesondere unter Einbezug von rhythmischen und stilistischen Modellen).

5. Semester

Nach einem Semester Pause setzt das Fach Stimm- und Chorschulung, Chor wieder ein. Als Semesterziel steht die Durchführung eines Chorprojekts im Zentrum, welches den ersten Block dieses Fachs, das nachher an der MWZ weiter geführt wird, abschliesst. Das Fach Musikgeschichte wird weitergeführt.

6. - 8. Semester

Im Vordergrund der drei letzten Semester stehen musikalische Aktivitäten der angehenden Musikerinnen und Musiker innerhalb des MNG. Das Musikleben am MNG wird diverse Auftrittsmöglichkeiten anbieten. Dazu gehören:
• Ein solistischer oder kammermusikalischer / (Band) Auftritt von K+S-Schülerinnen und -Schülern
• Zusammenarbeit, einschliesslich Mitverantwortung für Organisation und Einstudierung, mit den MNG-Schülerinnen und -Schülern.
• Beteiligung an einem interdisziplinären Projekt, z.B. der Gestaltung einer Performance zusammen mit Theater, Bildnerischem Gestalten u.a.. Alle Schülerinnen und Schüler nehmen semesterweise an einem solchen Projekt teil.